Dass man einer Nation angehöre und damit hierzulande eben deutsch sei, erscheint den meisten Menschen als fraglose Naturtatsache. Bei diesem Bekenntnis jedenfalls handele es sich nicht um anrüchigen Nationalismus, zumindest nicht um einen übersteigerten. Dass man Neonazis zu verachten hat, um sich als guter Deutscher zu empfinden, um einem ‚gesunden’ und ‚normalen’ Nationalismus zu frönen, das weiß man nicht erst seitdem die Sportfreunde Stiller und Xaiver Naidoo dazu auffordern die Fahnen des Nachfolgelandes, welches Auschwitz betrieb, auszupacken und einen nationalen Taumel in der Gemeinschaft gegen Nazis und für Deutschland zu inszenieren.

Sich über das Kollektiv, zumal dem Nationalen, zu definieren, heißt immer sich als selbstdenkendes Individuum durchzustreichen, und täuscht über die tatsächliche Ohnmacht und Überflüssigkeit des Einzelnen wie auch über die allseitige Konkurrenz im Bestehenden hinweg. Die Schwierigkeiten der Menschen sich an diese Gegebenheiten anzupassen als auch die Konflikte in der Gesellschaft werden auf dem Rücken äußerer Objekte verdrängt und auf diese projiziert. Kaum verwunderlich, dass heute über 80 Prozent der Jugendlichen stolz auf ihr ‚Deutschsein’ sind und kaum einer an der alten Hitlerparole „Du bist Deutschland“ Anstoß nimmt, die kampagnenmäßig wiedergekehrt ist.

Doch wie verhält es sich zwischen einem gewöhnlichem Nationalismus, dem allerlei positives abzugewinnen sei, und einem davon angeblich so ganz entgegengesetztem, bedingungslosen Nationalismus, der um sich schlägt? Ist das eine nicht die Bedingung des anderen, aus dem er erwächst? Wie fließend offizielle und rechte Vaterlandsliebe ineinander übergehen und sich arbeitsteilig ergänzen, konnte in den 90er Jahren anhand der Abschaffung der Asylgesetzgebung beobachtet werden, die als Reaktion auf eine Welle rassistischer Pogrome forciert wurde. Da was deutsch sein soll immer nur negativ bestimmt werden kann, also durch Ausschluss und Abgrenzung, liegen Rassismus und Antisemitismus darin stets parat und kommen immer dann massenhaft zum Ausbruch, wenn Geschlossenheit und Aufopferung gefragt sind, also in Krise und Ausnahmezustand.

Kein Wunder daher, dass ein positives Bekenntnis zu Vaterland und Mutter Erde wieder schwer in Mode ist. Gerade jetzt in Zeiten „globaler Finanzkrise“ erlebt auch der Standort Deutschland ein Revival in der Bedeutsamkeit um das schlechtere Argument. Leichtgläubige Erklärungsmodelle, warum denn gerade ich meinen Job verliere, täuschen dann auch schnell über mangelnde Distinktionsgewinne hinweg, welche den Ausgangspunkt für einen verkürzten Aktionismus bilden, die in ihrer theoretischen Grundlage nicht nur flüssig daher kommen, sondern sich gänzlich als überflüssig erweisen. Offensichtliche Parameter politischer Kräfte aller Couleur, welche überall „ausländische Heuschreckenschwärme“ das „heimische schaffende Kapital“ verschlingen sehen, die, wenn sie von „Globalisierung“ reden, eine „Amerikanisierung“ meinen und fürchten, weil sie die deutsche Kultur und die Volksgemeinschaft zersetze, sich schließlich in der Sinnstiftung von Identität gemeinschaftlich konstituieren müssen.

Demzufolge kann es nur heißen:
Standortverweigerung auf allen Ebenen!
Gegen Deutschland und seine Kollektive!
Für eine aufgeklärte und emanzipatorische Gesellschaft!

Kritische Initiative Schaumburg [K.I.S.], Mai 2009